Sexismus in der Pflege

Kompetenz macht sexy. Daher ist die übertriebene Sexualisierung von Pfleger:innen auch vollkommen legitim und ein Zeichen hoher Wertschätzung.

Die Übersexualisierung des Berufsstandes betrifft vor allem die weiblichen Pflegenden. Den Satz: “Du bist Krankenschwester? Wow, sexy! Kannst du mich auch mal pflegen, höhöhö?”, dürfte in Begleitung weiterer unangebrachter Kommentare schon jede:r zu Genüge gehört haben. Bei männlichen Pflegern passiert das nicht ganz so häufig, dafür aber die pexels-rodnae-productions-6003404 (1).jpgHerabwürdigung: “Hat es für Arzt nicht gereicht?” Als sei es unvorstellbar, dass ein Mann von sich aus einen Pflegeberuf erlernen wollen könnte. Ein klassischer “Frauenjob” eben. Ja, dass die schlechte Bezahlung auch in Zusammenhang damit steht, dass besonders viele Frauen diesen Beruf ausüben, gilt inzwischen als gesichert. Frauen machen das ja gerne, sind fürsorglich geboren und leben ihren Helferkomplex aus. Dann können sie freundlich lächelnd mit einem Tablett über die Station tänzeln und Patienten bedienen. Und hingebungsvoll zum Arzt aufschauen. Ärztinnen gibt es ja auch nicht, die werden im Alltag regelmäßig mit “Schwester” angesprochen, während der männliche Pfleger daneben der “Herr Doktor” ist. Guten Tag, das Jahr 2021 hat geklopft und will mal fragen, wann wir bereit für angemessene, zeitgemäße Geschlechterrollenbetrachtungen sind. Und die Verbannung der sexistischen Vorurteile bei der Berufswahl.

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Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz in der Pflege ist ein eigentlich riesiges Thema und jede:r Pflegende hat Erfahrungen damit gemacht. Nur gesprochen wird darüber nicht gern. Fällt wieder unter die toxische Kategorie “Wer das nicht aushält, hat den falschen Job.” Die Übersexualisierung des Berufs und Normalisierung der Belästigung (auch durch Pflegende selbst, die Vorfälle bagatellisieren) führt dazu, dass sowohl die Belästigenden, als auch die Opfer glauben, dass das ein Normalzustand sei.

Dafür zu sorgen, dass der Sexismus in der Pflege nicht einfach abgewunken wird, liegt auch in unserer Verantwortung. Selbst laut zu werden kann in bestimmten Situationen schwierig sein, besonders Azubis trauen sich oft nicht, sich zu wehren. Wer also Zeuge von Belästigung wird, MUSS helfend einschreiten! Jemand erzählt dir von einer unangenehmen Situation? Die Antwort darauf ist nicht “Ist mir auch schon passiert, da gewöhnt man sich dran!” oder “Halb so wild, mir ist schon viiieeeel Schlimmeres passiert.” Ernst nehmen, Gespräch suchen, handeln! Wir sind ein Beruf, kein Sexobjekt. Unsere Arbeit ist hochprofessionell, kein Kundenservice für notgeile Patient:innen oder Bewohner:innen. Wir und unsere persönlichen Grenzen sind zu respektieren, egal von wem.

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