Tarifverhandlungen, Tarifvertrag

Ein Tarifvertrag (TV) regelt die Rechte und Pflichten von Arbeitnehmer:innen (AN) und Arbeitgeber:innen(AG) wie etwa Löhne, Gehälter, Arbeitszeit und Urlaubsanspruch. Ob ein Tarifvertrag gilt, hängt davon ab, ob AG und AN tarifgebunden sind. Das trifft zu, wenn AG dem Arbeitgeberverband und AN der Gewerkschaft beigetreten sind. Der TV gilt somit erst einmal nur für gewerkschaftlich organisierte AN. In unserer Branche ist es jedoch häufig so, dass AG den Tarifvertrag auch für nicht-organisierte AN anwendet - dies kann man Kulanz nennen, oder auch Angst. Denn mehr gewerkschaftlich organisierte MA könnten für AG langfristig teurer werden! Es kann auch ein ‘Haustarifvertrag’ abgeschlossen werden, oder die Regelungen werden im Arbeitsvertrag festgehalten. Ausnahme: Ein TV wird ‘allgemeinverbindlich’, auch ohne gewerkschaftliche Organisation der MA und ohne AG-Mitgliedschaft im AG-Verband, wenn der Staat (die zuständigen Bundes-/Landesminister) den TV als allgemeinverbindlich erklären. Am 30.09 läuft unser derzeit gültiger TV ab, und gilt dann in sog. ‘Nachwirkung’. Im Oktober und November 2021 finden dann die Verhandlungen für alle Unikliniken NRWs statt und es könnte zu Streiks kommen. Alle Beschäftigten, die direkt an den UKs angestellt sind (außer den Ärzten) sind von diesen Verhandlungen betroffen.

Wer verhandelt?

Die Gewerkschaft (und zwar die, die am Standort die meisten Mitglieder hat, hat meist das Verhandlungsrecht) wählt eine Tarifkommission, in der Gewerkschaftsmitglieder aus den Betrieben sitzen, und die dann mit den Vertretern der AG-Seite verhandeln. Die Verhandlung findet dann demokratisch statt. Die Mehrheit der Tarifkommission muss einer Einigung zustimmen. Gestreikt werden darf, wenn der Tarifvertrag gekündigt ist oder es noch keinen gibt und außerdem die Arbeitgeber entweder nicht verhandeln wollen oder man sich am Verhandlungstisch nicht einigt

Was wird Thema?

Klar, die Gewerkschaft wird eine Gehaltssteigerung fordern. Wie stark sie in ihren Forderungen sein werden, und ob sie das Ziel erreichen ist immer abhängig davon, wie viele MA sich hinter sie stellen werden, um diesen Forderungen Nachdruck zu verleihen. Die Kampfansage seitens der AG in diesem Jahr ist folgende: Die Arbeitgeberverbände versuchen mit einem erneuten Angriff auf die sogenannten ‘Arbeitsvorgänge’ das Eingruppierungssystem nachzuverhandeln. Begründung sind in diesem Jahr die hohen Kosten, verursacht durch die Corona Pandemie, die sie nun auf ihre Beschäftigten umzulegen versuchen. Ein Arbeitsvorgang umfasst alle Arbeitsschritte, die zu einem Arbeitsergebnis führen. Wie bsp das Erstellen eines EKG. Oder die Betreuung einer Person. Ziel der AG ist es nun, diese Arbeitsvorgänge in ihre Arbeitsschritte aufzudröseln und zu schauen, wie viel Prozent des Arbeitsvorganges in die Kategorie ‘schwierige Aufgaben’ fällt. Sind diese nicht genug, wollen AG die MA herunter gruppieren. Sollten AG damit durchkommen, könnte es in einigen Berufen bis zu 600€ weniger Gehalt ausmachen. Derzeit ist ver.di die Gewerkschaft, die aufgrund des höheren Organisierungsgrad ihrer Mitglieder, verhandeln kann und wird. Gehälter, Löhne, Urlaubsansprüche sowie Arbeitszeiten kann und darf neben dem Staat - und sind wir mal ehrlich, der tut es einfach nicht - nur eine Gewerkschaft verhandeln, erwirken und verhindern. Daher halten wir einen starken, gewerkschaftlichen Organisationsgrad unter Pflegenden und allen anderen AN unserer Unikliniken, für die Zukunft unserer Berufsgruppe für unabdingbar.

Quellen:

https://www.dgb.de/themen/++co++8441ae46-fef1-11df-463e-00188b4dc422

https://unverzichtbar.verdi.de/++file++6048d02e07910a60f8ca9a8a/download/3810_02_06_Info_BTK_TdL_9_Mrz.pdf

https://unverzichtbar.verdi.de/++co++735323f4-ad81-11eb-8ac8-001a4a16012a

Umfrage zur Forderungsfindung - hier muss jeder mitmachen, der mitentscheiden will, was Ver.di ab Oktober fordern soll!

https://unverzichtbar.verdi.de/umfrage