Was ist denn nun mit den Schließungen von Kliniken und Betten mitten in der Pandemie?

Im Rahmen der Pandemie stößt man immer wieder auf Berichte und Tabellen zu Krankenhauskapazitäten und in diesem Zusammenhang erfreuen sich Empörungen über Krankenhaus- und Bettenschließungen großer Beliebtheit. Insbesondere bei Gegnern der Eindämmungsmaßnahmen halten sich Behauptungen, Krankenhausplätze würden absichtlich verknappt, um die Lage dramatischer zu gestalten, sehr hartnäckig. Was ist da dran?

Bei den Listen der Krankenhäuser, die 2020 geschlossen worden sein sollen, muss man sehr vorsichtig sein. Viele sind einfach umgezogen oder mit anderen Häusern zusammengelegt worden. Teilweise werden auch Umstrukturierungen vorgenommen, was zur Schließung einzelner Gebäude oder Standorte führt. Änderungen in der Refinanzierung durch Fallpauschalenanpassung bringt Häuser dazu, ganze Stationen zu schließen, um profitabel zu bleiben. Hospital_copyright_Parentingupstream.jpg Oft werden spezifische Fachabteilungen geschlossen oder verlegt, was auf die Gesamtversorgung einer Region kaum Einfluss hat. In Zeiten von Fachkräftemangel bedeutet eine unausgelastete Klinik, dass das dort nicht benötigte Personal an anderer Stelle fehlt. Wird dieser Bereich also an diesen Kliniken geschlossen und an einem anderen Standort gebündelt, erhofft man sich dadurch eine effizientere Einsatzmöglichkeit von Personal und Gerätschaften. Die Versorgungskapazitäten werden nicht nur von der theoretischen Betten- und Klinikanzahl bestimmt. Ausschlaggebend ist das verfügbare Fachpersonal, das die Betreuung gewährleisten und die Gerätschaften bedienen können muss. An dieser Stelle folgt die direkte Überleitung zu den “abgebauten Intensivbetten”. Wurden Intensivplätze absichtlich reduziert, um Panik zu schüren? - Ganz schlicht gesagt: Die Zählweise wurde angepasst.

Das Register enthält jetzt nur noch die Betten, die nicht nur über das erforderliche Equipment, sondern auch über das benötigte Personal verfügen. Die Anzahl der betreibbaren Betten schwankt also extrem und nimmt immer weiter ab, je mehr Pflegekräfte selbst erkranken, aus psychischen Gründen ausfallen oder den Beruf verlassen (Stichwort Pflexit). Um die sogenannten Notfallbetten auch betreiben zu können, müssen an anderen Stellen Pflegekräfte abgezogen werden. Die Schließungen von OP-Sälen und Stationen sind der einzige Weg, um das dort freigewordene Personal in der Versorgung von Covid- Patienten einsetzen zu können. Es mag enttäuschen, aber der Rückgang der verfügbaren Krankenhausbetten ist kein perfider Masterplan der Regierung, um die Corona-Maßnahmen zu rechtfertigen. Er ist das Ergebnis einer Gesundheitspolitik, die jahrzehntelang eben dieser Entwicklung nicht entgegen gewirkt hat. Er ist das Ergebnis profitorientierter Gesundheitspolitik, die sich nicht nach Bedarf, sondern nach Gewinn richtet.