Wir haben viel vor!

Aus einer kleinen Bewegung innerhalb eines Münsteraner Krankenhauses ist die Idee gewachsen, nicht mehr nur die Entscheider*Innen dabei zu beobachten, wie sie über unsere Arbeitsbedingungen, Wünsche, Bedürfnisse und Probleme reden, sondern aktiv Einfluss auszuüben.

REDUZIERTE UND VERBINDLICHE ARBEITSZEIT

In der Pflege wird physisch und psychisch hart gearbeitet. Viele Pflegende können ihren Beruf nicht bis zur Rente ausüben, da sie an den Rand der völligen Erschöpfung geraten. Eine Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit bei vollem Lohnausgleich ist sinnvoll, um auch erfahrene Mitarbeitende im Beruf zu halten. Auch junge Mitarbeitende profitieren von diesem Modell, da sie gar nicht erst in die Erschöpfungsfalle geraten. Aktuelle Dienstpläne sehen momentan vor, dass Pflegende bis zu 12 Tage am Stück arbeiten. Zu viele Dienste hintereinander gehen zu Lasten der Pflegequalität, der Gesundheit der Patienten und des Personals. Es braucht eine Verkürzung der Intervalle mit anschließendem regenerativen und verlässlich planbarem Freizeitausgleich. Anrufen im Frei sollte allein ein Konzept für den absoluten, dokumentationspflichtigen Notfall sein.

GESUNDHEITSREFORM

Nichteinhaltung gesetzlicher Vorgaben muss nicht nur eine finanzielle Sanktionierung, sondern auch eine Anpassung der elektiven Eingriffe und der Bettenplanung zur Folge haben. Verstöße der Kliniken aufgrund von Unterschreitung der Personaluntergrenzen müssen transparent gemacht werden. Wir fordern ein offizielles, öffentlich einsehbares Register! Das Krankenhaus als gewinnbringendes Unternehmen verschiebt die Prioritäten der Versorgung eines Menschen. Operative Eingriffe und Maximaltherapien werden besser vergütet als die palliative Begleitung eines Menschen. Wir fordern verpflichtende Fallbesprechungen und eine Stärkung der palliativen Versorgung. Jeder Mensch hat das Recht, in Würde zu sterben. Kann dies aus zeitlichen oder finanziellen Gründen nicht erfolgen, leiden die Patient*innen, die Angehörigen und das Personal.

PROFESSIONALISIERUNG

Die momentane gesetzliche Definition des Pflegeberufes ist ungenügend ausformuliert. Es braucht einen verbindlichen Kriterienkatalog, der Tätigkeiten der Pflege zuschreibt und festlegt, welche Aufgaben delegierbar sind. Um die Qualität zu sichern, müssen Fort- und Weiterbildungen verpflichtend werden. Es braucht ein Register beruflich Pflegender. Die Hebammen machen es vor: Hier ist die Verpflichtung zu Fortbildungen gesetzlich verankert. Der Fachkräftemangel im Gesundheitswesen darf nicht zu Lasten der Auszubildenden gehen. Auszubildende müssen die Möglichkeit bekommen, adäquat praktisch ausgebildet zu werden. Sie dürfen keine „Lücken füllen“ oder auf den Stationen allein für Aushilfstätigkeiten zuständig sein. Praxisanleitertage und Azubianleitung im Allgemeinen müssen, wie gesetzlich vorgeschrieben, eingehalten werden. Nichteinhaltungen durch die Kliniken sind zu sanktionieren. Hier nun aber auch der klare Auftrag an uns: Pflege muss sich endlich organisieren!

ANGEMESSENE ENTLOHNUNG

Eine Pflegekraft trägt viel Verantwortung. Diese muss sich zwingend in der Entlohnung widerspiegeln. Zusatzqualifikationen werden momentan nur ungenügend monetär entlohnt. Dies muss sich ändern! Mit Aussicht auf eine deutliche Gehaltssteigerung würden Anreize geschaffen werden, sich weiterzubilden. Schichtdienst ist unattraktiv, aber in der Pflege unabdingbar. Um die Attraktivität zu steigern und somit die Akzeptanz zu stärken, braucht es eine Zusatzvergütung von Sonntagen und Nachtdiensten um 100%

BEDARFSORIENTIERTE PERSONALBEMESSUNG

Einfaches "Köpfe zählen" führt zu Unzufriedenheit, Qualitätsverlust und Frust! Es ist zwingend erforderlich, ein Instrument einzuführen, das das benötigte Personal anhand des Bedarfs der Patient:Innen bemisst. Um nicht nur ausreichende, sondern würdige Pflege gewährleisten zu können, sind weiterführend verpflichtende Personaluntergrenzen unabdingbar. Werden diese Untergrenzen nicht eingehalten, müssen Sanktionen die Folge sein. In den Pflegeschlüssel sollen künftig nur examinierte Pflegende, die die Versorgung der Patient:Innen gewährleisten, eingerechnet werden. Ein Mitzählen von Leitungen, medizinischen Fachangestellten und Pflegehelfer:Innen darf nicht erfolgen! Eine retrospektive Betrachtung anhand von Durchschnittswerten ist nicht zielführend.